Die Sommerparty des Summer Evolution Festivals 2023 sollte eigentlich ein Fest der Freude, der Fantasie und der queeren Gemeinschaft werden. Unter dem Motto „Queer Circus Cabaret“ erschienen die Gäste in kreativen Verkleidungen, die die bunte Vielfalt der Community widerspiegelten. Doch was als ausgelassene Feier begann, entwickelte sich durch eine unbedachte Kostümwahl zu einer hitzigen politischen Diskussion – und bot uns eine wichtige Lektion über Toleranz, Sensibilität und die Macht von Symbolen.

Was passiert ist...
Ein Gast hatte sich als „braungebrannten Kalabrier“ verkleidet und seine Haut mit brauner Schminke getönt. Schnell gerieten einige der Anwesenden in einen Schockzustand. Die ausgelassene Stimmung kippte, als das Kostüm als Blackfacing interpretiert wurde – eine Praxis, die historisch mit rassistischen Stereotypen und der Herabwürdigung Schwarzer Menschen verbunden ist.
Blackfacing reicht historisch bis in die Minstrel-Shows des 18. und 19. Jahrhunderts zurück, in denen sich weiße Darsteller das Gesicht schwärzen, um Schwarze Menschen als naive, fröhlich singende (dumme) Sklaven zu verhöhnen – und damit rassistische Stereotype zu verfestigen, die weit über die Bühne hinaus in Alltagskultur, Film und Werbung eindrangen.

Der Gast erklärte, dass es in seinem Kostüm nicht um Blackfacing gehe, sondern um die Darstellung eines dunkelhäutigen Italieners. Doch für viele People of Colour (PoC) unter den Gästen war die Grenze überschritten. Sie fühlten sich angegriffen und herabgewürdigt. Die Party verwandelte sich in ein angespanntes Gegeneinander, in dem politische Korrektheit und persönliche Empfindungen aufeinanderprallten.
Das Festivalteam versuchte, die Wogen des Konflikts zu glätten, stieg aber nicht in eine klärende Diskussion ein, um die Party nicht zu unterbrechen. Dies wurde von einigen als unangemessen wahrgenommen – während die Mehrheit der Gäste einfach weiterfeierte. Am nächsten Morgen gab Valentin einen Redebeitrag, um die historische und emotionale Tragweite von Blackfacing zu verdeutlichen. Der Gast erklärte erneut seine Intention, und die Gemeinschaft begann, über das Erlebte zu reflektieren.

Was wir daraus gelernt haben
Dieser Vorfall hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, bei Kostümpartys nicht nur die eigene Kreativität, sondern auch die Außenwirkung und die Empfindungen anderer zu bedenken. Hier sind einige Punkte, die wir zukünftig beachten wollen:
1 Außenwirkung von Verkleidungen: Kostüme sind nicht nur persönliche Ausdrucksformen, sondern können auch Botschaften senden. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, wie bestimmte Darstellungen auf andere wirken könnten – insbesondere auf marginalisierte Gruppen.
2 Toleranz und Sensibilität: Wir streben nach einer Gemeinschaft, in der sich alle wohlfühlen. Das bedeutet, die Perspektiven und Gefühle anderer ernst zu nehmen und sensibel auf mögliche Verletzungen zu reagieren.
3 Die Macht der Intention – und ihre Grenzen: Der Gast hatte keine verwerfliche Absicht – für ihn war das Kostüm eine harmlose Darstellung. Doch selbst wenn wir etwas selbst als völlig in Ordnung empfinden, kann die Außenwirkung anders ankommen. Gerade bei Themen wie Hautfarbe oder kulturellen Stereotypen lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und zu überlegen: Wie könnte dies auf andere wirken? Intention ist wichtig, aber sie rechtfertigt nicht automatisch alles. Wir müssen lernen, Verantwortung für die möglichen Auswirkungen unserer Handlungen zu übernehmen – auch wenn sie unbeabsichtigt sind.
4 Dialog und Aufklärung: Konflikte bieten die Chance, voneinander zu lernen. Durch offene Gespräche und Aufklärung können wir Missverständnisse aufklären und unsere Gemeinschaft stärken.
Unsere Botschaft an Dich: Wir haben daraus gelernt und werden dies beherzt umsetzen. Bitte achte darauf, dass Deine Intentionen stets unmissverständlich sind. Deine Kostüm kann natürlich gegen jeden Geschmack verstossen, aber es darf niemanden herabsetzen, auch nicht absichtslos oder aus Versehen.
Wir freuen uns auf unvergessliche Momente und (respektvollen) Spass miteinander!